In ordentlichem JPEG-Format habe ich dieses Goldbrüstchenfoto von Herrn Stahl
aus Schweden auf meinem Computer abgespeichert. Der Bericht von Herrn M.
Giebing in Heft 09/2005 war Anlass diese Aufnahme wieder hervorzuholen. Auf
dem Foto, ein eben flügges Goldbrüstchen mit auffallend weißer Zeichnung in
den Schwingen. Selbst die importierten Elterntiere des Flügglings zeigen diese
Veränderung. Das Gefieder wirkt hier ausgebleicht und verschlissen –
Hungerstreifen, wie von Herrn Giebing beschrieben. Eine Mangelerscheinung die
neben dem Melanismus (Schwarzverfärbung von einst farbigen Gefiederpartien
durch massenhafte Ablagerung brauner und schwarzer Pigmente) bei unseren
Prachtfinken auftritt. Gründe hierfür sind in den Haltungsbedingungen zu
suchen. Fütterung, Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit und Lichtverhältnisse als
System sind Basis erfolgreicher Pflege unserer Prachtfinken. Derartige
Mangelerscheinungen sind nicht nur an einem Faktor festzumachen.
Jeder Züchter sollte stets bestrebt sein die besten Bedingungen für seine Vögel
zu schaffen. Hier ein paar Tipps aus meiner Praxis auf dem Weg zum
Topgefieder.
Speziell während der
Mauser benötigen
unsere farbenprächtigen
Prachtfinken eine
vitamin- und
proteinreiche Diät um
ihre Farben entwickeln
zu können und die
Mauser in kurzer Zeit
abzuschließen.
Mittlerweile biete ich all
meinen Prachtfinken nur
noch hochwertige
Spezialmischungen die
auf ihre Bedürfnisse
abgestimmt sind an. Das
Futter wird auf den
täglich Bedarf portioniert und die Vögel fressen auf. Der Abfall geht gegen Null
und es wird sichergestellt das sich die Vögel tatsächlich vielseitig ernähren. Das
selbe Futter dient als Keimfutter. Gekeimt wird nur noch in Ferkelwühlerde oder
Vogelerde. Die Aufnahme des Keimfutters liegt bei 100%. Risiken beim Keimen
sind ausgeschlossen und das Futter bleibt den ganzen Tag über frisch. Die Vögel
nehmen aus dem Boden zusätzliche Nährstoffe auf. Gefüttert wird zu festen
Zeiten. Morgens Keimfutter, Eifutter, Halbreifes oder Grünfutter. Am Abend
werden die Tiere mit Mischfutter versorgt. Täglich wird das Trinkwasser
erneuert. Einmal in der Woche wird ein Vitaminpräparat über das Wasser
verabreicht.
Jeden Tag genießen die Vögel ihr Bad in eiskaltem Leitungswasser. Penible
Gefiederpflege ist danach angesagt.
Meine sämtlichen Prachtfinken sind an ein selbstaufbereitetes Eifutter gewöhnt.
Handelsübliches Eifutter wird mit einem hartgekochten Hühnerei zu einer
feuchtkrümmeligen Masse verarbeitet. Dieser setze ich ca. 1 Teelöffel Bierhefe
und Blütenpollen, sowie 4-5 Teelöffel eines mit Honig aufbereiteten
Insektenfutters zu. Das Futter ist proteinreich und spielt während der Zucht und
Mauser eine über geordnete Rolle.
Täglich wird Grünfutter verfüttert. Im Frühjahr zählt Löwenzahn in allen
Reifestadien und Vogelmiere zu meinen Favoriten. Sobald die ersten Wildgräser
blühen und Samen tragen ergänzen diese das Futterangebot. In den
Wintermonaten bietet halbreife Hirse Ersatz.
Animalisches Futter wird während der Mauserphase nur sporadisch gereicht. Hier
finden je nach Prachtfinkenart Wiesenameisenpuppen, Pinkys (beides gefrostet)
und gut ernährte Mehlwürmer Verwendung.
Auf Rat eines holländischen Zuchtfreundes wird das Mineraliengemisch täglich
erneuert. Wild zusammengemischt werden rote, schwarze Vogelmineralien,
Perlmuschelgrit, Vitakalk, MSA Vitamin D3 und sterile zerstoßene
Hühnereierschalen.
Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit, Licht und Sauerstoff:
Der Zuchtraum wird mit zunehmenden Außentemperaturen nicht mehr beheizt.
Die Temperatur im Zuchtraum bewegt sich von Mai bis Ende September
zwischen 18 und 22 Grad. Bei Zuchtbeginn Anfang Oktober beträgt die
Raumtemperatur ca. 16-18Grad bei 60-70% Luftfeuchtigkeit. Binnen 4 Wochen
steigt die über eine Zentralheizung geregelte Temperatur im Raum auf 20Grad,
während die Luftfeuchtigkeit konstant gehalten wird. Mit der Raumtemperatur
wird die über eine Zeitschaltuhr gesteuerte Beleuchtung von 12 Stunden auf 14
Stunden erhöht. Beleuchtet werden sämtliche Zuchtboxen zusätzlich mit simplen
Tageslichtröhren mit bester Erfahrung, da durch das relativ kleine Fenster im
Zuchtraum (gut isolierter Kellerraum) zu wenig Licht einfällt.
Ganz wichtig erscheint mir die Sauerstoffzufuhr im Raum. Während der
Futterzeit wird durchzugfrei morgens und abends gelüftet. Stickige, feuchte
Zuchträume fördern in keinster Weise das Wohlbefinden unserer Exoten.
Ich hoffe Sie finden in diesem kurzen Bericht den ein oder anderen Rat um Ihre
bunten Pfleglinge über Jahre gesund zu erhalten.